Pilzwarnung


Pilzwarnung NRW

Aktuelle Lage des Bodenklimas für Pilze

 

Das Superpilzjahr 2017 geht zu Ende, willkommen 2018

Lage: Am 30.11.2017 waren in Seelscheid tatsächlich noch große Schopftintlinge zu finden, mehr als ungewöhnlich. Ab dem 8.12.17 Winter bis in Tieflagen – die Hauptsaison vorbei. Im Jahr 2017 ist so ziemlich jeder PSV in Deutschland an die Belastungsgrenze gekommen, von Juli bis Ende November im Dauereinsatz. Letzter Vergiftungseinsatz war am 29.11.2017 mit meiner Person. Schnee bedeutet aber nicht keine Pilze. Es gibt typische Winterarten und solche, die im Begriff sind welche zu werden. Samtfußrübling und Austernpilze (kennt man aus dem Handel) sind typische Winterpilze. Rötelritterlinge schauen auch mal bei entsprechender Witterung bis Februar vorbei, der giftige grünblättrige Schwefelkopf kommt quasi in allen schneefreien Zeiten vor. Äußerste Vorsicht ist bei Häublingen geraten. Auch wenn die „Moor-Version“ in Frankreich gegessen wird, so sind auch ringlose Arten verdächtig, Knollenblätterpilz zu enthalten. Diese Arten kommen hier und da bis im Januar auf Wiesen vor. Der große „Hype“ ist aber vorbei.

Was macht man nun als PSV? Viele Eksikate warten noch auf mikroskopische Bestimmung, Kartierung seltener Arten muss nachgeholt werden. Für das Einsatzfahrzeug, was dieses Jahr massiv genutzt wurde, steht nun eine wohlverdiente Pause an mit Inspektion, Ölwechsel, LMM-Wechsel, Fehlersuche und Kontrolle aller Einsatzmittel, einschließlich der Signalanlage. Es gibt aber ein Ersatzfahrzeug. Makroskopische Bestimmungen sind weiterhin möglich. Und auch die Absicherung von Einsatzstellen ist mit einer Hänsch Typ 16 durchführbar. Ganz eingestellt ist also die Bestimmung nicht, allerdings wird die Rufbereitschaft ab 07.12.2017 aufgehoben. Voraussichtlich ab März 2018 wird die Bereitschaft wieder geprüft, je nach Lage.

Ich danke persönlich für die netten und lobenden Mails und Anrufe für diese Seite hier.

Kontakt: daniel@ffrh.de Fahrzeugstandort: Bonn/Much. Grundausstattung vorhanden. Keine Rufbereitschaft. Einsatzfahrzeug in Wartung. Ersatzfahrzeug einsatzbereit.

Pilzberatung: Körbe aussortieren findet nach Terminabsprache im Garagenlabor kostenlos (auch im Winter!) statt. Spenden sind erwünscht. Adresse des Garagenlabors: Markelsbach 60, 53804 Much (für das Navi, Waze, Maps o. ä.). WLAN ist vorhanden.

Exkursionen: 1. Exkursion steht fest: 07.10.2018 12.00 h in Reichshof. Details werden noch bekannt gegeben. Anmeldung wird über das Tourismusbüro Reichshof Eckenhagen laufen. Achtung: es wird eine Teilnehmerbegrenzung geben müssen. 

Sonstige Interessenten bitte per Mail an b.b.zimmermann@gmx.de . Bernd Zimmermann hat einen einzigartigen Anfängerschlüssel entwickelt, mit dem erfahrene Anfänger sogar Lamellenpilze sammeln können! Große Exkursionen finden nur in Personalunion statt. Es wird eine weitere Exkursion in Windeck geben. Ansonsten Nümbrecht.

Pilzvergiftungen oder auch der Verdacht sind immer ein Notfall – wählen Sie die 112 und holen Sie Hilfe. Panik ist der schlechteste Ratgeber! Ruhe bewahren und keine Hausmittel (Milch etc.) verabreichen. Tipps für Kinder: Neugier ist gesund, aber niemals in den Mund! Das Entdecken der Natur ist für die Entwicklung der Kinder einer der wichtigsten Bausteine. Unter strenger Beobachtung läuft meine Tochter auch mit Pilzen durch die Gegend oder zeigt meldend darauf. Beim bloßen Anfassen passiert nichts!

Erklärung der Warnstufen:

 

  •  Grün: Der Boden ist trocken, die nutzbare Feldkapazität niedrig bzw. die Verdunstung hoch. Kaum Pilzwachstum auf Wiesen. Achtung! Wenn Beete oder Wiesen gegossen werden, wachsen Pilze dort auch bei Dürreperioden und Hitzewellen! 
  • Gelb: Der Boden ist feucht genug, dass hier und da Pilze wachsen, besonders an Nordseiten. Auch möglich bei Ende einer Wachstumswelle, wenn z. B. nach Warnstufe Rot eine Trockenperiode folgt. Für ein mäßiges Wachstum hat der Boden aber nicht genug Wasser gespeichert. Wenn Kinder draußen spielen, schadet ein Blick auf die Wiese oder den Spielplatz nicht.
  • Orange: Moderates Pilzwachstum in den betroffenen Gebieten. Es treten quasi die üblichen Pilze an den gewohnten Plätzen auf. Bei Rückstufung von Rot oder Violett Rückgang des Wachstums bzw. besonders alte Pilze häufig. Beginnende Durchtrocknung des Bodens nach Wachstumswellen. Wenn Kinder draußen spielen, Obacht!
  • Rot: Der Boden ist nach Regenfällen oder Kühlperioden richtig feucht, so dass viele Pilze an allen möglichen Wachstumsstellen auftreten. Bevor Kinder draußen spielen, sollten die Spielflächen sorgfältig abgesammelt werden. Lassen Sie Kleinkinder nicht ohne besondere Aufsicht spielen
  • Violett: Der Boden ist nass und gerade bei Temperaturen über 10 Grad sind Massenvorkommen häufig. In jedem Falle sollten Spielplatz und Wiesen bei jeder Nutzung kontrolliert werden. Kinder auf keinen Fall unbeaufsichtigt lassen!

 

Wissenswertes zur Pilzwarnung:

„Pilze wachsen nur im Herbst und keine giftigen auf der Wiese!“ Diese fatale Fehleinschätzung haben sogar Ärzte Eltern mitgeteilt. Die Aussage ist falsch und wissenschaftlich gelinde gesagt „Käse“. Richtig ist: Pilze wachsen wann sie wollen! Jede Art hat ihr eigene Vorlieben. Es gibt sogar Arten, die nur im Winter wachsen. Im Winter wachsen zwar relativ wenige giftige Arten, aber bereits im Frühjahr beginnt die Risspilzsaison, später kommen die ebenfalls lebensgefährlichen Trichterlinge und Häublinge dazu. Auch giftige Fälblinge wachsen gerne auf Wiesen mit Bäumen. Auf Spielplätzen kommen holzbewohnende Arten vor, die ebenfalls gefährlich giftig sind, wie der fast ganzjährig vorkommende grünblättrige Schwefelkopf. Grundsätzlich kommen Frühlingsarten auch mal im Herbst vor und umgekehrt. Pilze kennen keinen Kalender! Einige nutzen die Pilzwarnung als Sammeltermin. Das kann man machen, allerdings ist die Warnung speziell auf Wiesen und natürlichen Spielflächen für Kindergärten und Eltern gedacht. Es kann durchaus sein, dass im Wald was wächst, wenn die Wiese kahl ist und auch umgekehrt. Die meisten „Unfälle mit Kindern“ gehen glimpflich aus, da die Art mindergiftig oder die verzehrte Menge zu gering ist. Bei Muskarin, Amanitin, Gyromitrin und Orellanin reichen aber bereits kleine Mengen für eine gefährliche Vergiftung aus. Das Tückische: es dauert teilweise sehr lange bis sich die Vergiftung bemerkbar macht (Latenzzeit) und dann kann es zu spät sein. Symptomfreiheit ist also keine Entwarnung! Per Foto dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht bestimmen, hilft aber bei der ersten Einschätzung der Gefährlichkeit. Sonst gilt wie bei diffusen Schmerzen in der Brust beim Rettungsdienst: Alarm! Vor Ort kann dann die Art bestimmt werden und zusammen mit Ärzten über eine Krankenhausbehandlung beraten werden.

Berichte/Links

Pilze: Trichterling und Hexenbutter, General Anzeiger, Bonn, 28.09.2010 www.dgfm-ev.de (Homepage der Deutschen Gesellschaft für Mykologie)