Erster Einsatz 24.8.1903

Bericht im GA Bonn vom 25.8.1903
https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/2931498?query=%22Rheindorfer%20Wehr%22

„Das Schadenfeuer, welches, wie bereits kurz gemeldet, in der Nacht zum Montag in Grau=Rheindorf die Scheune sowie die Stallung der Witwe Klein einäscherte, ist auf Brandstiftung zurückzuführen. Der Nachtwächter Engels beobachtete gegen 1/2 12 Uhr zwei Männer, die sich in das zwischen dem Hause von Winterscheidt und den abgebrannten Gebäulichkeiten befindliche Gäßchen begaben. Engels bemerkte kurz darauf, wie eine dieser Personen ein Streichholz anzündete und es in eine schadhafte Stelle der Scheunenwand hielt. Im Nu loderte die Flamme auf. Der Wächter eilte nach der Stelle hin, worauf die beiden Männer eiligst über die Felder entliefen. Bei dem Versuche, das brennende Stroh herauszureißen, zog sich der Wächter Brandwunden an beiden Händen zu.

Er alarmierte die Feuerwehr, die unter der Führung ihres Hauptmannes Schmiedemeister M. Much das Feuer mit vier Schläuchen angriff. Leider gelang es der wackeren Wehr nicht, die Scheune, welche mit Frucht vollgepfropft war, zu retten. Sie brannte vollständig nieder, ebenso der angrenzende Stall, aus dem das Vieh herausgetrieben werden konnte. Die Gebäulichkeiten sind versichert, dagegen die Frucht, welche drei kleinen Landwirten gehörte, nicht. Der Wert der verbrannten Frucht beziffert sich auf annähernd 1000 Mk. Das Hauptaugenmerk der Wehr war auf Rettung der anliegenden Wohnhäuser gerichtet.

Leider befand sich das gesamte Schlauchmaterial der Rheindorfer Wehr in einem solch defekten Zustande, daß ein großer Teil des Wassers die Brandstelle nicht erreichte, sondern in die Gosse lief. Die Bemühungen, die schadhaften Stellen durch Verbände zu beseitigen, waren ohne Erfolg. Erst gegen 3 Uhr morgens war man des Feuers so weit Herr, daß die Wehr unter Zurücklassung einer Brandwache abrücken konnte. Als gegen 1/2 9 Uhr gestern Morgen das unter dem Stroh glimmende Feuer von neuem aufflammte, erbat sich die Rheindorfer Wehr in Anbetracht der schlechten Verfassung der Schläuche die Hülfe der Bonner Freiwilligen Feuerwehr, die auch kurz nach 9 Uhr unter Führung des Zugführers Schädler mit 15 Mann auf der Brandstelle erschien und nach einstündiger Arbeit das Feuer vollends löschte. Die Polizei war gestern im Laufe des Tages mehrfach zur Untersuchung des Tatbestandes an der Brandstelle.“

Bericht in Bonner Volkszeitung vom 25.8.1903
https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/2630287?query=%22Rheindorfer%20Wehr%22

„In Grau=Rheindorf hat es, wie bereits kurz gemeldet, in der Nacht zum Montag gebrannt. Gegen Mitternacht sah der Nachtwächter des Ortes in einer schmalen Gasse neben der Scheune der Witwe Heckermann an der Hauptstraße zwei Strolche, die sich dort in verdächtiger Weise zu schaffen machten. Er hörte auch ein Knistern, als ob ein Streichhölzchen angezündet würde. Als er hinzusprang, bemerkte er Feuer in einer Lücke der Fachwand. Mit der einen Hand versuchte er die Glut zu ersticken, mit der anderen griff er nach den beiden Brandstiftern. Diesen gelang es jedoch, da der Wächter bereits bejahrt ist, zu entkommen. Das Feuer breitete sich unterdessen mit solcher Schnelligkeit aus, daß man zunächst ausschließlich ans Löschen denken mußte. Unter der Führung des Schmiedemeisters Much griff die Grau=Rbeindorfer Wehr, die vor ihrer ersten größeren Aufgabe stand, alsbald mit vier Schläuchen ein.

Die Flammen hatten in der Scheune, die aus Fachwänden bestand und Frucht von etwa 8½ Morgen enthielt, reiche Nahrung gefunden, und die benachbarte Stallung, aus der das Vieh bei Zeiten gerettet werden konnte, erfaßt. Schon züngelten sie auch an dem Dache eines Nachbarhauses empor. Der Qualm, der dem Glutherd entstieg, war betäubend und so stark, daß die wackeren Löschmänner kaum die Hand vor den Augen sehen konnten. Ihre Arbeit wurde sehr erschwert durch den schlechten Zustand der Schläuche, die ihnen seit Begründung der Ortswehr aus dem alten Bestand der Bonner Wehr überwiesen sind. Die Schläuche ließen an vielen Stellen das Wasser durch, und alle Bemühungen, an den schadhaften Stellen mit der Hand das Wasser zurückzuhalten, oder mit Verbänden der Undichtigkeit Herr zu werden, waren erfolglos.

Die Bonner Feuerwache erfuhr im Laufe der Nacht von dem Brande, trat aber zunächst nicht in Tätigkeit, da ihre Hülfe nicht ausdrücklich verlangt wurde. Nach 3 Uhr rückte die Grau=Rheindorfer Wehr unter Zurücklassung einer Brandwache ab, da das wütende Element bezwungen schien. Von Scheune und Stall war nichts zu retten gewesen. Ein wahres Glück war es dabei noch, daß der Wind, der gegen 4 Uhr morgens sich erhob, nicht früher zu toben begonnen hatte; denn dann hätte sich das Feuer nicht auf seinen Herd einengen lassen. Wider Erwarten kam das im Stroh weiter glimmende Feuer nach 8 Uhr nochmals zum Ausbruch. Diesmal hielten es die Grau=Rheindorfer für besser, die Bonner Wehr zu sich herauszubitten allein schon deshalb, damit sie von der Verfassung der Schläuche aus eigener Erfahrung sich überzeugen könnten. Die Bonner gaben unter den Befehlen des Zugführers Schädler dem Feuer den Rest und kehrten nach dreistündiger Arbeit gegen Mittag wieder in die Stadt zurück. Der angerichtete Schaden ist beträchtlich. Die Frucht, deren Wert auf 1000 Mark beziffert wird, war nicht versichert.“