Pilzwarnung

Pilzwarnung NRW

Aktuelle Lage des Bodenklimas für Pilze

Trockene Kältebremse

Bodenklimatische Lage:  Durch den nassen Oktober hatten wir bis tief in den November hinein Wiesen- und auch Waldpilze. Selbst Knollenblätterpilze waren im November teilweise sehr präsent vertreten und haben auch zu einer Vergiftung hier in NRW geführt. Es ist alles gut ausgegangen durch eine schnelle Versorgung.

Auf den Wiesen tummelten sich bis zuletzt Kremplinge und Feldtrichterlinge. Der trockene und zuletzt auch kalte November lässt die kurze, aber äußerst pilzreiche Hauptsaison zu Ende gehen.

Klimatisch war es das dritte Dürrejahr in Folge mit katastrophenartigen Konsequenzen für die Wälder. Die Fichte ist fast völlig verschwunden, lediglich einige kleine Bestände existieren noch. Buchen und sogar Eichen sind ebenfalls geschwächt. Für die bekanntesten Waldpilze, die gerade mit diesen Bäumen eine Symbiose bilden, hatte das zur Folge, dass diese kaum anzutreffen waren. Gerade Steinpilze gab es nur noch in kleinen, kurzen Wellen. Die Wälder standen bis Mitte Oktober leer. Dass in 3 Jahren derart unerbittlich der Klimawandel durchschlägt haben die wenigsten vermutet.

Kindergärten hatten jedoch 2020 viel zu tun.

Im Gegensatz zu den Wäldern haben die Wiesenpilze dieses Jahr sehr gut wachsen können. Champignonfreunde sind voll auf ihre Kosten gekommen, viele Wiesen waren artenreich vom Frühling bis jetzt – ausgenommen in den Hitzephasen. Aber auch im Frühwinter muss man nicht auf Speisepilze verzichten:

Der Braune Büchelrasling (Lyophyllum decastes) wächst sogar noch bei Frost weiter und bildet speisepilztechnisch den Übergang zum Austernseitling, der im Oktober hier und da gefunden wurde. Er ist wenig bekannt, aber essbar und wohlschmeckend. Ebenso bleibt der Violette Rötelritterling (Lepista nuda) bis in den Dezember hinein als Speisepilz verfügbar und gilt als Delikatesse.

Foto: links Büschelrasling, rechts violetter Rötelritterling

Und noch etwas: Hallimasch und insbesondere die Nebelkappe gelten nicht mehr als Speisepilze und lösen insbesondere in der Gegend hier teils schwere Vergiftungen aus. Sammeln Sie ausschließlich Pilze von der Positivliste der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Hier der Link:

https://www.dgfm-ev.de/pilzesammeln-und-vergiftungen/speisepilze

Wer künstlich seinen Rasen wässert, der wird  viele Pilze wachsen sehen, ggf. sogar artenreich.

Vielen Dank an die Feuerwehr Rheindorf, dass ich nach meinem Wechsel nach Much die Pilzwarnung weiter betreiben darf.

Gerne können Funde wieder gemeldet werden (PLZ ist ganz wichtig!).

Bieten Sie doch Ihre Gartenwiese als Zeigerwiese an und helfen der Pilzwarnung. Anfragen unter daniel@ffrh.de

Kontakt: daniel@ffrh.de Fahrzeugstandort:  Much. Vectra C, vollständig einsatzbereit. Beleuchtung und Labor.

Pilzberatung: Körbe aussortieren findet nach Terminabsprache im Garagenlabor kostenlos (auch im Winter!) statt. Spenden sind erwünscht. Adresse des Garagenlabors: Markelsbach 60, 53804 Much (für das Navi, Waze, Maps o. ä.). WLAN ist vorhanden.

Exkursionen: wegen der COVID-19 Pandemie sind alle Exkursionen abgesagt! Auch die beliebten Termine in Reichshof. Nach Rücksprache mit der Kurverwaltung ist das Risiko schlicht und einfach zu groß. ABER: sobald ein Impfstoff vorliegt gibt es nächstes Jahr mit Sicherheit neue Termine.

Pilzvergiftungen oder auch der Verdacht sind immer ein Notfall – wählen Sie die 112 und holen Sie Hilfe. Panik ist der schlechteste Ratgeber! Ruhe bewahren und keine Hausmittel (Milch etc.) verabreichen. Tipps für Kinder: Neugier ist gesund, aber niemals in den Mund! Das Entdecken der Natur ist für die Entwicklung der Kinder einer der wichtigsten Bausteine. Unter strenger Beobachtung läuft meine Tochter auch mit Pilzen durch die Gegend oder zeigt meldend darauf. Beim bloßen Anfassen passiert nichts!

Erklärung der Warnstufen:

  •  Grün: Der Boden ist trocken, die nutzbare Feldkapazität niedrig bzw. die Verdunstung hoch. Kaum Pilzwachstum auf Wiesen. Achtung! Wenn Beete oder Wiesen gegossen werden, wachsen Pilze dort auch bei Dürreperioden und Hitzewellen! 
  • Gelb: Der Boden ist feucht genug, dass hier und da Pilze wachsen, besonders an Nordseiten. Auch möglich bei Ende einer Wachstumswelle, wenn z. B. nach Warnstufe Rot eine Trockenperiode folgt. Für ein mäßiges Wachstum hat der Boden aber nicht genug Wasser gespeichert. Wenn Kinder draußen spielen, schadet ein Blick auf die Wiese oder den Spielplatz nicht.
  • Orange: Moderates Pilzwachstum in den betroffenen Gebieten. Es treten quasi die üblichen Pilze an den gewohnten Plätzen auf. Bei Rückstufung von Rot oder Violett Rückgang des Wachstums bzw. besonders alte Pilze häufig. Beginnende Durchtrocknung des Bodens nach Wachstumswellen. Wenn Kinder draußen spielen, Obacht!
  • Rot: Der Boden ist nach Regenfällen oder Kühlperioden richtig feucht, so dass viele Pilze an allen möglichen Wachstumsstellen auftreten. Bevor Kinder draußen spielen, sollten die Spielflächen sorgfältig abgesammelt werden. Lassen Sie Kleinkinder nicht ohne besondere Aufsicht spielen
  • Violett: Der Boden ist nass und gerade bei Temperaturen über 10 Grad sind Massenvorkommen häufig. In jedem Falle sollten Spielplatz und Wiesen bei jeder Nutzung kontrolliert werden. Kinder auf keinen Fall unbeaufsichtigt lassen!

Wissenswertes zur Pilzwarnung:

„Pilze wachsen nur im Herbst und keine giftigen auf der Wiese!“ Diese fatale Fehleinschätzung haben sogar Ärzte Eltern mitgeteilt. Die Aussage ist falsch und wissenschaftlich gelinde gesagt „Käse“. Richtig ist: Pilze wachsen wann sie wollen! Jede Art hat ihr eigene Vorlieben. Es gibt sogar Arten, die nur im Winter wachsen. Im Winter wachsen zwar relativ wenige giftige Arten, aber bereits im Frühjahr beginnt die Risspilzsaison, später kommen die ebenfalls lebensgefährlichen Trichterlinge und Häublinge dazu. Auch giftige Fälblinge wachsen gerne auf Wiesen mit Bäumen. Auf Spielplätzen kommen holzbewohnende Arten vor, die ebenfalls gefährlich giftig sind, wie der fast ganzjährig vorkommende grünblättrige Schwefelkopf. Grundsätzlich kommen Frühlingsarten auch mal im Herbst vor und umgekehrt. Pilze kennen keinen Kalender! Einige nutzen die Pilzwarnung als Sammeltermin. Das kann man machen, allerdings ist die Warnung speziell auf Wiesen und natürlichen Spielflächen für Kindergärten und Eltern gedacht. Es kann durchaus sein, dass im Wald was wächst, wenn die Wiese kahl ist und auch umgekehrt. Die meisten „Unfälle mit Kindern“ gehen glimpflich aus, da die Art mindergiftig oder die verzehrte Menge zu gering ist. Bei Muskarin, Amanitin, Gyromitrin und Orellanin reichen aber bereits kleine Mengen für eine gefährliche Vergiftung aus. Das Tückische: es dauert teilweise sehr lange bis sich die Vergiftung bemerkbar macht (Latenzzeit) und dann kann es zu spät sein. Symptomfreiheit ist also keine Entwarnung! Per Foto dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht bestimmen, hilft aber bei der ersten Einschätzung der Gefährlichkeit. Sonst gilt wie bei diffusen Schmerzen in der Brust beim Rettungsdienst: Alarm! Vor Ort kann dann die Art bestimmt werden und zusammen mit Ärzten über eine Krankenhausbehandlung beraten werden.

Berichte/Links

Pilze: Trichterling und Hexenbutter, General Anzeiger, Bonn, 28.09.2010 www.dgfm-ev.de (Homepage der Deutschen Gesellschaft für Mykologie)