Pilzwarnung

Pilzwarnung NRW

Aktuelle Lage des Bodenklimas für Pilze

 

Speisepilzsammler aufgespasst!

Pilzvergiftungen oder auch der Verdacht auf diese sind immer ein Notfall – wählen Sie die 112 und holen Sie Hilfe. Panik ist der schlechteste Ratgeber! Ruhe bewahren und keine Hausmittel (Milch etc.) verabreichen. Für Kinder gilt die Faustregel: Neugier ist gesund, NIEMALS in den Mund!

Den nächsten Pilzsachverständigen (auch in Bonn!) wie auch meine Kontaktdaten finden Sie hier:

Pilzsachverständige finden / DGfM (dgfm-ev.de)

  • Bodenklimatische Lage:  Die Speisepilzsammler – gerade die, die Maronen und Steinpilze sammeln – sind dieses Jahr trotz des feuchten Wetters ein wenig auf der Strecke geblieben. Ob das am verschwundenen Fichtenwald liegt, müssen Biologen in Studien beurteilen. Aber es gibt noch Hoffnung – vergeblich haben meine Kinder Fliegenpilze gesucht (wir fotografieren, Pilze essen mögen meine Kinder nicht) und jetzt tatsächlich: überall wächst der schönste Pilz in unseren Breiten, die kleinen weißen Köpfe gucken raus. Wo Fliegenpilze stehen, findet man in der Regel auch schmackhafte Röhrlingen, u. a. Maronen und Steinpilze, aber auch Birkenpilze. Die Kitas müssen wie die letzten Jahre auch bis in den Dezember höllisch aufpassen. Denn es war ein ganz tolles Pilzjahr, leider auch für Giftpilze in Kindergärten. In Wellerscheid wurde der Fleischbraune Schirmling gefunden. Er gilt als tödlich giftig (Knollenblätterpilzgift!) und als selten, die meisten Funde habe ich tatsächlich in Kindergärten gemacht. In Bonn wie auch im Rhein-Sieg-Kreis. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Mir ist zu Ohren gekommen, dass selbst Kindergärten weit weg ohne mich zu kennen die Pilzpolizei eingeführt haben. Tatsächlich hat gerade hier in der Gegend die Anzahl der Hilferufe aus Kindergärten abgenommen. Gute Nachrichten!
  • Bodenklimatisch zeigt auch die Nebelkappe an, dass es kalt wird. Weil sie ein zuverlässiger Kältevoraussager ist, wird sie auch Winterreifenpilz genannt. So richte ich auch mich nicht nach dem Kalender – sondern nach der Nebelkappe und ziehe 2 Wochen nach Erscheinen die Winterreifen auf. Das heißt auch, dass es zunehmend kühler wird und die Sommerpilze nun endgültig verschwinden werden. Allerdings gibt es auch im November oft genügend zu sammeln, Bei entsprechendem Wetter findet man sogar im Winter genügend Pilze zum fotografieren, sich vergiften oder auch zum Essen – der Austernseitling steht schon in den Startlöchern. Daher ist die Pilzberatung auch im Winter geöffnet! Zugeben muss man aber auch, dass Januar und Februar für alle Pilzsachverständigen die Zeit zum Luftholen darstellt – natürlich mit viel Arbeit am PC und Mikroskop. Alleine dieses Jahr sin über 500 Pilzfotos neu geschossen worden.

Jeden Tag werden in unserer KiTa die Pilze abgesammelt – so soll es sein. Wenn das Wetter und auch die Temperaturen so bleiben, wird sich kaum etwas an der Lage ändern, lediglich die Arten wechseln für die für Ihr Wachstum typische Jahreszeit.

Gefährlicher Volksglaube – früher essbare Pilze gelten heute teilweise als giftig!

  • Kahler Krempling und Grünling stehen in alten Pilzbüchern als Speisepilze. Beides sind mittlerweile Giftpilze, die mehreren Menschen das Leben gekostet haben. Auch unter den Schleierlingen gibt es viele gefährliche Giftpilze, die Vergiftungen traten erstmals in den 50er Jahren in Vordergrund. Auch wenn die Frühjahrslorchel in Finnland noch immer nach besonderer Zubereitung gegessen wird, auch dort ist es russisches Roulette. 
  • Hallimasch und insbesondere die Nebelkappe gelten nicht mehr als Speisepilze und lösen insbesondere in der Gegend hier teils schwere Vergiftungen aus. Sammeln Sie ausschließlich Pilze von der Positivliste der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Hier der Link:

https://www.dgfm-ev.de/pilzesammeln-und-vergiftungen/speisepilze

Wer künstlich seinen Rasen wässert, der wird  viele Pilze wachsen sehen, ggf. sogar artenreich.

Vielen Dank an die Feuerwehr Rheindorf, dass ich nach meinem Wechsel nach Much die Pilzwarnung weiter betreiben darf.

 

Exkusionen, Termine, Sonstiges

  • Pilzberatung: Körbe aussortieren findet nach Terminabsprache im Garagenlabor kostenlos (auch im Winter!) statt. Spenden sind erwünscht. Adresse des Garagenlabors: Markelsbach 60, 53804 Much (für das Navi, Waze, Maps o. ä.). WLAN ist vorhanden.
  • Exkursionen: erfragen Sie bitte bei der Kurverwaltung Reichshof. Darüber hinaus werden dieses Jahr keine Exkursionen mehr stattfinden. 

Erklärung der Warnstufen:

  •  Grün: Der Boden ist trocken, die nutzbare Feldkapazität niedrig bzw. die Verdunstung hoch. Kaum Pilzwachstum auf Wiesen. Achtung! Wenn Beete oder Wiesen gegossen werden, wachsen Pilze dort auch bei Dürreperioden und Hitzewellen! 
  • Gelb: Der Boden ist feucht genug, dass hier und da Pilze wachsen, besonders an Nordseiten. Auch möglich bei Ende einer Wachstumswelle, wenn z. B. nach Warnstufe Rot eine Trockenperiode folgt. Für ein mäßiges Wachstum hat der Boden aber nicht genug Wasser gespeichert. Wenn Kinder draußen spielen, schadet ein Blick auf die Wiese oder den Spielplatz nicht.
  • Orange: Moderates Pilzwachstum in den betroffenen Gebieten. Es treten quasi die üblichen Pilze an den gewohnten Plätzen auf. Bei Rückstufung von Rot oder Violett Rückgang des Wachstums bzw. besonders alte Pilze häufig. Beginnende Durchtrocknung des Bodens nach Wachstumswellen. Wenn Kinder draußen spielen, Obacht!
  • Rot: Der Boden ist nach Regenfällen oder Kühlperioden richtig feucht, so dass viele Pilze an allen möglichen Wachstumsstellen auftreten. Bevor Kinder draußen spielen, sollten die Spielflächen sorgfältig abgesammelt werden. Lassen Sie Kleinkinder nicht ohne besondere Aufsicht spielen
  • Violett: Der Boden ist nass und gerade bei Temperaturen über 10 Grad sind Massenvorkommen häufig. In jedem Falle sollten Spielplatz und Wiesen bei jeder Nutzung kontrolliert werden. Kinder auf keinen Fall unbeaufsichtigt lassen!

Berichte/Links

Pilze: Trichterling und Hexenbutter, General Anzeiger, Bonn, 28.09.2010 www.dgfm-ev.de (Homepage der Deutschen Gesellschaft für Mykologie)